Zukunftssymposium ’07

Dem guten Leben auf der Spur … Zukunftssymposium 2007

Gesprächsrunde im Zeitgeschichtemuseum.
 

1. Juni / 2. Juni 2007, Zeitgeschichtemuseum Ebensee

Ein anderes Leben ist möglich!

Das Frauenforum Salzkammergut lud am ersten Juniwochenende zum Zukunftssymposium ins Zeitgeschichtemuseum nach Ebensee.

Hier der Link zur Radiosendung „Dem guten Leben auf der Spur“.

Die Zukunft beginnt im Kopf und deswegen waren sich alle der über 40 TeilnehmerInnen darin einig, dass gerade bei dieser Tagung keine Denkgrenzen gelten sollten. Und die Alltagserfahrung, dass Visionen Menschen im Allgemeinen trennen, wurde eines Besseren belehrt, denn aus der großen Vielfalt von Ideen und dem Zulassen großzügigen Denkens, erwuchs eine gemeinsame Erkenntnis: dass unser Leben auch ganz anders aussehen könnte und dass wir über die Haltung „bewusster Dissidenz“ (Michaela Moser), was bedeutet, zu dem was „so ist, weil es eben so ist“, eine kritisch hinterfragende Haltung einnehmen und durch die „Enttrivialisierung“ des Denkbaren, was bedeutet im gemeinsamen Diskurs auch die kleinsten Fragen und Anregungen zuzulassen, uns diesem anderen Leben annähern können.

Mag.a Michaela Moser, die sich als Ethikerin seit vielen Jahren mit dem Konzept des „guten Lebens“ befasst gab den TeilnehmerInnen Einblick in den theoretischen Unterbau des „guten Lebens“. Und sprach davon, dass eine der Voraussetzungen für ein gutes Leben ist, dass wir gerne leben, dass wir ein „erotisches Verhältnis zur Welt entwickeln“ (Moser), was bedeutet, dass wir Lust haben zu Leben.

Damit wir diese Lust fühlen können, müssen allerdings grundlegende Kriterien erfüllt sein. So stellte die Ethikerin Moser eine Liste von zehn zentralen Bedingungen vor, die die US-amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, in ihrem Buch „Women and Human Development: The Capabilities Approach“, Cambridge 2000, veröffentlicht hat. Diese Liste ist dabei von „irreduzierbarer Pluralität“ gekennzeichnet, was bedeutet, dass das Fehlen einer Komponente nicht durch ein „MEHR“ einer anderen Komponente wett gemacht werden kann:

(1) LEBEN: jeder Mensch sollte fähig sein, sein eigens Leben auf lebenswürdige Art bis zu seinem natürlichen Ende zu leben.

(2) KÖRPERLICHE GESUNDHEIT: Gute körperliche Gesundheit, gute Ernährung, gute Wohnmöglichkeit

(3) KÖRPERLICHE INTEGRITÄT: sich frei bewegen können, vor sexueller Belästigung und Gewalt sicher sein.

(4) SINNE, VORSTELLUNGSKRAFT, GEDANKEN: die eigenen Sinne voll nutzen, sich Vorstellungen machen, denken und argumentieren können. Freude erleben und unnotwendiges Leiden vermeiden können.

(5) EMOTIONEN: Beziehungen zu Menschen und Dingen herstellen können. Ganz allgemein in der Lage zu sein zu lieben, zu trauern, Sehnsucht zu empfinden, Dankbarkeit und gerechten Zorn. Keine Einschränkung der eigenen emotionalen Entwicklung durch Ängste zu erfahren.

(6) PRAKTISCHE VERNUNFT: In der Lage zu sein, sich eine Vorstellung vom guten Leben zu machen und den eigenen Lebensplan auf kritische Weise zu reflektieren.

(7) ZUGEHÖRIGKEIT: A) In der Lage zu sein mit und für andere zu leben, Sorge für andere zu empfinden und zu zeigen. B) Über Selbstrespekt und Würde zu verfügen; als würdevolles gleichberechtigtes Wesen behandelt zu werden. Sicher vor Ausgrenzung und Diskriminierung zu sein.

(8) BEZIEHUNGEN ZU ANDEREN SPEZIES: In der Lage zu sein mit und für Tiere, Pflanzen und in Einklang mit der ganzen Umwelt zu leben.

(9) SPIEL: In der Lage zu sein und Möglichkeiten zu haben, zu lachen, zu spielen und erholsame Aktivitäten zu genießen.

(10) MACHT INNERHALB DES EIGENEN LEBENSKONTEXTS: A) POLITISCH: In der Lage zu sein effektiv in politischen Entscheidungsprozessen zu partizipieren. B) MATERIELL: In der Lage zu sein und die Möglichkeit zu haben über Eigentum zu verfügen, das Recht auf Erwerbstätigkeit zu haben, einer menschenwürdigen Berufstätigkeit nachzugehen.

Im weiteren Verlauf der Tagung erarbeiteten die TeilnehmerInnen zusammen mit den Expertinnen Visionen und Ideen für „das gute Leben“.

Zur Diskussion stellten sich: Dr.in Ulrike Feichtinger (die uns ermutigte, uns für das eigene Leben und unser eigenes Glück verantwortlich zu fühlen), Mag.a Christine Greunz (die Möglichkeiten aufzeigte wie Familie und Beruf vereinbart werden können), Mag.a Michaela Moser (die das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens vorstellte), Dipl. Ing.in Marion Schönfeldinger (die am Beispiel des „Steinbacher Weges“ verdeutlichte, dass es Wege gibt, wie ganze Gemeinden gemeinsam dem guten Leben auf die Spur gehen können), Heidemarie Schwermer (die Gib-und-Nimm-Expertin, die in ein neuartiges Lebenskonzept eingestiegen ist) und Mag.a Sabine Wölbl (die das Unternehmen „Powerfrauen.com“ gründete und die vor allem die Frauen aufforderte ihre Fähigkeiten und Kompetenzen deutlich zu erkennen und deutlich nach außen zu tragen).

Zum gelungenen Rahmenprogramm, das alle Sinne ansprach, zählten die Performance von Anna Maria Steinkogler (Harfe) und Gertraud Steinkogler-Wurzinger (Gesang). Der Tanz von Johanna Feichtinger, die Klangschalenentspannungsübung von Helga Lidauer und nicht zuletzt das Bio-Catering „Tischlein-Deck-Dich“ Buffet von Bettina Steinböck.

Schon am Vormittag des 1. Juni führte die Puppenmacherin und Figurentheaterspielerin Bärbel Nowitzki ihr selbst geschriebenes Stück: „Frosch im Glück“, vor über 120 Kindern des Gemeindekindergartens Ebensee auf. Eine Premiere, die die Kinder beeindruckte und der Künstlerin gleich mit selbstgemalten Bildern vom Frosch dankten.

Das Frauenforum Salzkammergut wird in der Zukunft einige der Ideen, die bei der Tagung entstanden sind umsetzen und dem guten Leben in unserer Region so auf die Sprünge helfen.
Zeitungsbereicht mit Bild von Mag.a Michaela MoserDie TeilnehmerInnen waren mit dem Verlauf und den Ergebnissen des Symposiums mehr als zufrieden und wünschten sich einmal mehr vom Frauenforum Salzkammergut weitere derart außergewöhnliche Veranstaltungen.

Mehr Informationen zum Symposium des Frauenforums in der Wochenendausgabe der OÖN Nachrichten 2./3.6.2007.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Symposiums finden Sie im Text: „Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“

Zukunftssymposium_OOEN_Magazin_Wochenende_2_Juni.pdf

Auch_der_laengste_Weg_beginnt_mit_dem_ersten_Schritt.pdf
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