Spinnstuben Archiv

Spinnstube 2007 & 2008

Die Spinnstube ist das Veranstaltungsformat für unsere lockeren Gesprächsrunden.

Stets laden wir uns eine Expertin zu einem konkreten Thema ein, bekommen in fröhlicher Runde ein Impulsreferat und sitzen dann noch lange, um über das Gehörte miteinander zu sprechen.

ACHTUNG: ab 2009 finden sich Rückblicke zu den Spinnstuben im Veranstaltungsarchiv.

 

Schwestern im Herrn?, Spinnstube, 9. April 2008, Roitherwirt

Iris Kästel und Sonja Riha
„Denn die einen sind im Dunkeln, und die anderen sind im Licht. Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“ (Bertold Brecht)

„Sind Frauen gleichberechtigte Schwestern im Herrn?“, fragte die Spinnstuben-Runde des Frauenforums Salzkammergut, am vergangenen Mittwoch und hatte mit der Frauenbeauftragten der Diözese Linz, Sonja Riha (auf dem Foto rechts), eine ausgewiesene Expertin zu Gast. Sie arbeitet zusammen mit der Frauenkommission der Diözese daran, dass die Erfahrungen und Bedürfnisse von Frauen, in der Tradition verwurzelt und kritisch auf die Gegenwart bezogen, gebündelt und ins kirchliche Leben eingebracht werden.

Wussten Sie zum Beispiel, dass in der Diözese Linz seit dem Jahr 2000 ein Prozess zur Gleichstellung von Frauen und Männern in den diözesanen Ämter und Einrichtungen – soweit dies im kirchenrechtlichen Rahmen möglich ist – läuft?

Initiatorin dieses Bewusstseinsprozesses war und ist die Frauenkommission der Diözese, der Sonja Riha vorsteht. „Mit dem christlichen Menschenbild als Basis, das von der gleichen Würde von Frauen und Männern ausgeht, wurde der diözesane Gleichstellungsprozess gestartet“, erzählte Riha und führte weiter aus, dass die diözesanen Gleichstellungs-Maßnahmen dem Vergleich mit ähnlichen Prozessen und Projekten in der Wirtschaft und im Öffentlichen Dienst durchaus standhalten. Von der gendergerechten Personalauswahl, über die Herstellung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen, bis hin zur Verwendung von geschlechtergerechter Sprache reichen die selbstverpflichtenden Ziele des Equality-Leitbildes der Diözese Linz.

Doch die Frauenkommission macht bei den rein weltlich-arbeitsrechtlichen Zusammenhängen nicht etwa Halt, sondern bietet den Pfarrern und PastoralassistentInnen auch Hilfen zu frauengerechten Gottesdienstformen an, die auch auf der Homepage http://www.dioezese-linz.at/frauenkommission/ zum Download bereit stehen. Dort finden sich Leitfäden für eine geschlechtergerechte Sprache in Gebeten, Texten und Liedern oder sogenannte „FrauenPredigthilfen“, die alternative Bibelstellen zu den Lesejahren oder besonderen Anlässen vorschlagen, Bibelstellen, in denen biblische Frauengestalten vorkommen und die an Frauentraditionen erinnern.

Auch Ludwig Schwarz, der Bischof von Linz, unterstützt den Gleichstellungsprozess in der Diözese und formuliert in einer der Veröffentlichungen der Frauenkommission: „’Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid „einer“ in Christus Jesus’ (Gal 3,28). Das soll auch ein Signal in unsere Gesellschaft sein.“ (Erfolgsbilanz 2003 – 2005, Folder der Frauenkommission)

Druckfrisch mitgebracht hatte Sonja Riha das Buch: „Momente – Spuren – Wege“, eine Publikation, die die bunte Vielfalt weiblicher Lebensgestaltung sichtbar macht. 19 Frauen aus der Diözese Linz werden in diesem Buch in Momentaufnahmen – mit Text und Bild – in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Von der Hausfrau bis zur Feministischen Theologin, von der Altbäuerin bis zur Voest-Arbeiterin, von der Mundartdichterin bis zur Ordensfrau, von der Alleinerzieherin bis zur Pensionistin, von der Studentin bis zur Migrantin, die als Köchin arbeitet. Sie alle sind Teil des Schatzes, den die Kirche an den Frauen hat und den es zu heben gilt! Ein Buch, das ein lebendiges Bild zeigt von Kirche heute – aus Frauensicht.

Frauen, die lesen, sind gefährlich, 17. Oktober 2007, Frauenbuchecke des FFS, Gemeindebücherei Ebensee

Frauen vor einem BücherregalDie Oktober Spinnstube des Frauenforums Salzkammergut begab sich auf frauenbewegte Spurensuche. Welche Wechselwirkungen gab und gibt es zwischen Frauenbewegung einerseits und Literatur- und Verlagsgeschichte andererseits? Zu Gast war Jenny Unger aus Wien, eine Redakteurin des WEIBERDIWAN, der Rezensionszeitschrift der Frauenbuchhandlung Frauenzimmer, die regelmäßig über Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt informiert.

Deutlich vor Augen geführt wurde den Teilnehmerinnen der Spinnstube, dass es nicht nur Wechselwirkungen zwischen der Frauenbewegung und der Frauenverlagsgeschichte gibt, sondern deutliche Abhängigkeiten. Die Frauenbewegung startete in den 1970er-Jahren mit viel Kraft und Wut: Frauenverlage und –zeitschriften wurden gegründet, Frauenbuchläden, Frauencafés und unabhängige Frauenprojekte wurden aufgemacht, Notrufe und Frauenhäuser wurden eingerichtet und vieles mehr. Die Bücher, die in den Frauenverlagen herausgegeben wurden, waren sehr körperlich oft in geringer Auflage und in einer Grauzone des Copyrights. Im Mittelpunkt der Publikationen stand vor allem die literarische Vermittlung eines neuen Frauenbildes und vor allem die in Schrift gegossene, radikale frauenpolitische Programmatik.

Es passierte in den 1980er-Jahren, dass Frauenemanzipation als Marktlücke erkannt wurde: plötzlich gab es Fernsehsendungen speziell für Frauen, Frauenbuchreihen in großen Verlagen und jede Buchhandlung, die etwas auf sich hielt, richtete eine Frauenbuchecke ein. „Ich bin o.k., Du bist o.k.“-Bücher bedienten die neue weibliche Identität und unterstützen die Tendenz der Individualisierung und des Rückzugs aus dem Politischen. Die Frauenbewegung war auf dem Weg im Mainstream aufzugehen, die ehemals unbequemen Themen gingen in die öffentliche Diskussion ein  – und infolgedessen oft unter – und befriedeten sich bis in die Gegenwart im Zustand der Etablierung.

Den Frauenverlagen wurden ihre Autorinnen abgeworben, Frauenbuchläden verloren ihre Kundinnen. Das Frauenzimmer, Österreichs einzige Frauenbuchhandlung, musste ebenfalls im Juni 2007, nach 30 Jahren, die Pforten schließen. Und was geschah mit den Frauenverlagen, um zu „überleben“, strichen diese fast allesamt das Wort „Frau“ aus ihrem Titel und erweiterten ihre Angebot, so wie es der Milena Verlag – ehemals Frauenverlag – in Wien getan hat. Auf der Homepage des Verlages steht zu lesen: „wir trennen die menschlichen Belange nicht länger in jene von Männern und Frauen – als wesensverschiedene Daseinsformen –, wollen Gegensätze nicht vertiefen, sondern das Füreinander fördern und uns dem Allgemein Menschlichen zuwenden.“

Derart ernüchtert war den Spinnstubenfrauen eines klar: Eines Tages werden wir Frauen hoffentlich wieder wütend genug sein und den zahnlosen Gleichstellungsstellen, machtlosen Frauenbeauftragten und berichtzentrierten Gendermainstreaming-Prozessen den Kampf ansagen! Ganz nach dem Motto: Frauen, die lesen, sind gefährlich!

Halbe halbe oder doch alles beim Alten?, 13. September, 2007, Landhotel Post / Ebensee

GruppenfotoZehn Jahre ist es her, dass Helga Konrad, damalige Frauenministerin, mit der Kampagne „halbe/halbe“ die Mithilfe von Männern bei der Hausarbeit einforderte. Vor zwei Jahren dann startete eine ihrer Amts-Nachfolgerinnen, Maria Rauch-Kallat, mit dem Slogan: „Man(n) glaubt es kaum, Frau braucht Zeit und Raum“ einen weiteren Versuch, die Männer zu bewegen. Und hat sich die Belastung der Frauen seitdem entscheidend verändert? Nein! Zu diesem ernüchternden Ergebnis kamen die Frauen bei der vergangenen Spinnstube des Frauenforums Salzkammergut, bei dem Edith Rabl, vom Frauenbüro der Arbeiterkammer Oö, zu Gast war.

In den meisten der ehelichen oder nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften in Österreich sind es auch heute noch die Frauen, die doppelt oder gar dreifach belastet sind. Etwa 29 Stunden pro Woche leisten sie unbezahlt Haus- und Familienarbeit. Bei den Männern sind dies gerade mal 10,5 Stunden. Und schauen wir genau hin, stellt sich heraus, dass Männer bei der unbezahlten Arbeit die besseren Karten haben, denn die Aufgaben der Frauen sind monotoner (z.B.: Waschen, Bügeln), aufwändiger (z.B. Aufräumen, Putzen) und zeitlich stärker fixiert (z.B. Kochen, Kinder chauffieren). Männer dagegen engagieren sich in Tätigkeitsbereichen, die zeitliche Flexibilität zulassen, schneller abgeschlossen, erfolgsorientiert und – vor allem – viel seltener sind: wie handwerkliche Aktivitäten, kleinere Reparaturen, Autopflege, Verwaltungsangelegenheiten oder Behördenkontakte.

Warum aber sind es die Frauen, die trotz Erwerbsarbeit weiterhin den Großteil der unbezahlten Arbeit erledigen?

Das entscheidende Ereignis für diese traditionell geschlechtsspezifische Arbeitsaufteilung ist die Geburt des ersten Kindes. Sind zuvor in jungen Familien meist beide PartnerInnen vollzeitbeschäftigt und ist die Hausarbeit tendenziell partnerschaftlich aufgeteilt, so setzt sich ab diesem Zeitpunkt die markante Traditionalisierung der Arbeitsteilung durch und ist spätestens ein Jahr nach der Geburt vollzogen. Den traditionellen Rollenerwartungen an Frauen und Männer wird aufs Neue entsprochen, Hausarbeit ist und bleibt klassische Frauenarbeit.

Selbstverständlich gibt es weder die statistische Durchschnittsfrau, noch den statistischen Durchschnittsmann und Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel, aber eines ist gewiss: unbezahlte Familienarbeit beansprucht die für alle Menschen begrenzte Ressource ZEIT und je mehr unbezahlte Arbeit geleistet wird, desto weniger Zeit steht für anderes zur Verfügung. Frei verfügbare Zeit aber ist wesentliches Element von Lebensqualität und bestimmt über unsere Möglichkeiten der Gestaltung unseres privaten Lebens und unserer Teilnahme am öffentlichen Leben.

Um Gleichberechtigung herbeizuführen müssen sich die Männer bewegen, aber auch die Frauen lernen, dass sie nicht immer alles selbst machen müssen, dass sie Arbeit abgeben und vor allem den Männern diese Arbeit auch zutrauen.

HERstory – oder die weibliche Abwesenheit in der Geschichte, 13. Juni 2007, Zeitgeschichte Museum / Ebensee

Besucherinnen der HerStory im Zeitgeschichtemuseum.

In der letzten Spinnstube des Frauenforums Salzkammergut dokumentierte die Historikerin Dr.in Brigitte Rath (auf dem Foto ganz links) anschaulich, dass der Beitrag der Frauen an der Geschichte, von der so genannten allgemeinen Geschichtsschreibung zum Großteil nicht aufgenommen, dass er trivialisiert oder marginalisiert oder schlicht und einfach „vergessen“ wurde. So versteht es sich von selbst, dass Männer in den schriftlichen und sonstigen Quellen dominieren. Aber niemand wird leugnen, dass Frauen zur Geschichte und zur Kultur im selben Maße beigetragen haben wie Männer und dass die Unsichtbarkeit der Frauen, allein diesem spezifischen, männerzentrierten Blick auf die Geschichte „zu verdanken“ ist.

Seit den 1980er Jahren hat sich, dank des Engagements von Frauen, der Blick auf die allgemeine Geschichte verändert. Leider sind die Ergebnisse der Perspektivenwechsel in der Geschichtswissenschaft, also vom ausschließlichen „Männerblick“, zum „Frauenblick“, bis seit den 1990er Jahren hin zum Blick der „Geschlechterverhältnisse“, bis heute nicht in der österreichischen Orts- und Regionalgeschichtsschreibung angekommen.
Der dort gewählte Blick stellt immer noch „Leistungen“ in den Vordergrund; dokumentierte Leistungen von Männern, die – so scheint es, wenn wir die Texte lesen – ihr Leben „ganz alleine“ gemeistert haben. Dass sie Frauen an ihrer Seite hatten, die für sie nicht nur die Organisation des täglichen Lebens übernahmen, bleibt ungesagt. Und das ist der Haken an der ganzen Sache, dass unbezahlte Frauenarbeit von Männern bis heute nicht als Leistung und „typische Frauenarbeit“ nicht als gleichwertig anerkannt wird und so für die immer noch männerzentrierte Ortsgeschichtsschreibung unbedeutend bleibt. Und deswegen werden Frauen in der Ortsgeschichte auch weiterhin nicht auftauchen.

Doch Frauen haben es satt, dass ihre Leistungen nicht anerkannt werden und wollen sich und ihresgleichen endlich in der Geschichte wiederfinden.

Auch Ebensee, das heuer 400 Jahre Saline feiert, war in großer Gefahr die Frauen „zu vergessen“ und bei der Betrachtung der eigenen Geschichte die Frauen auszublenden.

Deshalb hat das Frauenforum Salzkammergut den großen Unmut der Frauen in Ebensee aufgegriffen und gemeinsam werden wir die Unsichtbarkeit der Frauen verhindern! In bewährter feministischer Tradition werden wir Frauen also sichtbar machen, Initiative zeigen und darauf achten, dass die Frauen, die ebenfalls 400 Jahre mitgelebt, mitgearbeitet, mitgeliebt, mitgelacht und mitgelitten haben in all der HERRlichkeit der Feiern nicht unsichtbar bleiben. Und unsere Projekte sind auch schon prämiert worden, vom Innovationstopf der KUPF Oö 2007.

Mehr zu unserem Projekt frauensichtbarmachen finden Sie hier.

Talente statt €uros, 16. Mai 2007, im Gasthaus Neuhütte / Ebensee

Johanna Bors, Iris Kästel und Monika Grünbichler

Talente statt €uros, unter diesem Motto stand die Spinnstube des Frauenforums, am 16. Mai 2007.

Johanna Bors (im Bild ganz links), die langjährige Leiterin des Tauschkreises Gmunden, war in der Spinnstube zu Gast und berichtete aus ihrem reichen Erfahrungsschatz in Sachen „Talenten“.

Wir alle haben besondere Fähigkeiten und Talente, dazu kommt, dass jede von uns andere Dinge des täglichen Lebens gerne macht und zu wieder anderen so überhaupt keine Lust hat. Diese so unterschiedlich verteilten Talente und Neigungen zu nutzen, und vor allem die von der Gesellschaft nicht honorierte, unbezahlte Arbeit, die vor allem von Frauen verrichtet wird, als Ressource einbringen zu können, ist der Grundgedanke des Tauschkreises.

Der Vorteil des Tauschkreises ist, dass nicht ausschließlich direkt und unmittelbar getauscht werden muss. Ein Beispiel: Regina hilft Josef beim Schreiben seiner Bewerbung. Josef wiederum nimmt Birgit das Bügeln der Wäsche ab. Birgit passt dafür zweimal im Monat auf Reginas Kind auf. Und das alles ohne einen €uro sondern auf „Talentebasis“, der eigenen (Zeit-)Währung.

Auf diese Art und Weise bringt der Tauschkreis Menschen (wieder) in Beziehung, begünstigt die Bildung neuer Freundschaften und Gemeinschaften und unterstützt die Solidarität der Menschen im Netzwerk.

Mehr über den Tauschkreis in Ebensee erfahren Sie hier.

Schlachtfeld Frauenkörper, 18. April 2007, Seeberg Apotheke/Ebensee

Das Foto zeigt die Spinnstubenbesucherinnen in der Seeberg Apotheke

Die Seeberg Apotheke in Ebensee, bot bei der vergangenen Spinnstube des Frauenforums Salzkammergut den passenden Rahmen für den Vortrag der Leiterin des Frauengesundheitszentrums  Wels, Mag.a  Doris Mandel.

Es ging um Frauengesundheit, denn Frauen sind anders als Männer und Frauen sind auch anders krank als Männer. Die Unterschiede betreffen die Organe, den Hormonhaushalt, den körperlichen Rhythmus die Körperwahrnehmung sowie die Einstellung zum eigenen Körper. Unterschiede im gesellschaftlichen und sozialen Umfeld verstärken diese Verschiedenheit auch im Alltag. Das weite Feld der Essstörungen ist beispielsweise als rein soziales Phänomen zu betrachten, das weiblich dominiert ist. Frauen haben ein anderes Erkrankungsrisiko, weil sie unter größerem sozialen Druck stehen, nicht nur, dass sie attraktiv, fit und dynamisch sein müssen, nein, ihnen wird auch – meist neben der Erwerbstätigkeit  – noch nahezu die gesamte Familienarbeit „überlassen“. Und: Frauen zeigen tatsächlich auch bei vielen Erkrankungen andere Symptome als Männer, wie zum Beispiel beim Herzinfarkt. Da dieser sich bei Frauen nicht „klassisch“ symptomatisch äußert, wird er nicht rechtzeitig erkannt und daher nicht schnell genug behandelt. Dies ist um so erschreckender, da in Österreich jede zweite Frau an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung stirbt; rein rechnerisch sterben 13 Mal so viele  Frauen an einem Herz-Kreislauf-Tod als an Brustkrebs (vgl. Frauengesundheitsbericht des Bundesministeriums für Gesundheit von 2005).

Aber die weitgehende Erhebung des Mannes zum diagnostischen Standard hat auch zur Folge, dass weibliche Lebensphasen und natürliche körperliche Vorgänge wie Pubertät, Schwangerschaft, Geburt oder Wechseljahre – entgegen der Bedürfnisse von Frauen und Mädchen – pathologisiert und medikamentalisiert werden. 2/3 aller Medikamente, werden Frauen verschrieben und das obwohl bis in die 1990er Jahre hinein Frauen systematisch aus klinischen medizinischen Studien ausgeschlossen wurden, also die Wirkungen und damit auch die Dosierungshöhen der Medikamente einzig am männlichen Körper getestet wurden. Als Grund dafür wurde die Problematik einer möglichen Schwangerschaft  während der Studiendauer und die Beeinflussung der Ergebnisse durch den hormonellen Zyklus der Frau angeführt.

Sex sells – die Wa(h)re Frau, 14. März 2007, Gasthof Auerhahn / Ebensee

Der Frauenkörper muss in der Werbung für alles Mögliche herhalten. Plakativ und allgegenwärtig, oft zusammenhanglos, betrachten wir das Beworbene, sind wir den Anblick von sich räkelnden Frauen auf Motorhauben längst gewohnt. Doch oft ist sexistische Werbung raffinierter, ästhetischer und weniger aufdringlich, deshalb aber nicht weniger frauenfeindlich. Aber leider ist Sexismus  in den Medien, wozu auch die Werbung zählt, schon lange kein wirkliches Thema mehr. Heutzutage sprechen wir von „erotischem Touch“, die eine Werbekampagne eher noch auszeichnet, als zum „Aufreger“ macht. Und wer sich über einen solchen erotischen Touch aufregt, ist schlicht und einfach prüde oder „versteht keinen Spaß“. Warum lassen wir Frauen uns das gefallen? Wieso nehmen wir Demütigungen, die überdimensioniert von Plakattafeln den Öffentlichen Raum bestimmen einfach so hin? Dieser Frage gingen in der letzten Spinnstube wieder interessierte Frauen nach und Sabine Kienzer, Expertin auf dem Gebiet der Werbung, gab Antworten. Sie klärte beispielsweise darüber auf, dass bereits 15 Beschwerden beim Österreichischen Werberat* ausreichen, damit dieser sich mit einer frauenfeindlichen Reklame auseinandersetzen muss. 15 Beschwerden ist Österreichweit doch gar nicht so viel, oder!? Beschweren können Sie sich übrigens online, unter: www.werberat.or.at/beschwerde.asp

Etwas können wir Frauen auf jeden Fall gegen frauenfeindliche und sexistische Werbung tun: Wir kaufen die so beworbenen Produkte einfach nicht! Denn wer Frauen nicht respektvoll begegnet, den sollten die Frauen nicht mit Umsatz für dieses Verhalten „belohnen“.

Sagen was ist – Sprache schafft Wirklichkeit, 14. Februar 2007, Tikitaki Ebensee

Besucherinnen der Spinnstube.

Gerechte Sprache macht Frauen präsent

In der (geschlechter-)gerechten Sprache geht es darum, dass Frauen genannt werden, wenn sie vorkommen! Nicht mehr, nicht weniger! Das war Thema der Spinnstube des Frauenforums Salzkammergut, am Valentinstag.

Die Unsichtbarkeit der Frauen in der Sprache wird sehr anschaulich wenn wir uns eine Gruppe von 99 Sängerinnen vorstellen, die durch das Hinzutreten eines Mannes automatisch zu 100 Sängern werden. Gerne ziehen sich die KritikerInnen auf das Argument des „Mitgemeint-Seins“ zurück, aber Frauen ist dieses Mitgemeint-Sein schon lange nicht mehr genug. Und vieles geht auch heutzutage nicht mehr, so würde beispielsweise keine Politikerin und kein Politiker es wagen nur „Liebe Wähler“ zu sagen und die Wählerinnen lediglich mitzumeinen.

Dennoch wird dem Wunsch der Frauen, sprachlich sichtbar zu sein, sehr oft entweder kleinmachend: „habt ihr keine anderen Probleme“ oder aggressiv begegnet: „totalitäres Gehabe“, „militante Männerfeindlichkeit von weiblichen Machos“. Auch hinter dem Argument der Sprache als Kulturerbe wird sich gerne versteckt. Die Sichtbarkeit von Frauen in der Sprache „verunstaltet“ diese aber nicht, wenn wir uns angewöhnen, die vorhandenen Mittel bewusst und kreativ auszuschöpfen. Wenn wir beispielsweise genug Zeit hätten stets die weibliche und männliche Form einer Personenbezeichnung auszusprechen oder auszuschreiben. Leitfäden gibt es zwischenzeitlich zahlreiche kostenlos im Internet!

Und überhaupt: Sprache ist lebendig und äußert veränderbar und das muss sie auch sein, denn allein der Fortschritt egal auf welchem Gebiet führt dazu, dass Neues oder Verändertes „versprachlicht“ werden muss! Ja, Gesellschaften zeigen gerade durch die Veränderbarkeit des Sprachgebrauchs, dass sie Neuem gegenüber Aufgeschlossen, ja im Ganzen progressiv sind. Aber vielleicht ist ja gerade das der Knackpunkt!?

Spinnstubenpremiere, 10. Jänner 2007, Roither Wirt / Ebensee

Die Frauen spinnen wieder …

Am 10. Jänner startete die Spinnstube, der neue monatliche Frauentreff des Frauenforums Salzkammergut. „Netzwerken leicht gemacht“, war das Thema, zu dem als Fachfrau die Linzerin Heidi Vitéz, Sprecherin des Frauennetzwerkes im OÖ Presseclub eingeladen war und die Anwesenden freuten sich, dass auch ihre Stellvertreterin, Nina Stögmüller, der Einladung nach Ebensee gefolgt war.

Vitéz ist überzeugte Netzwerkerin und ihre Begeisterung für diese Arbeitsweise steckte bald alle Teilnehmerinnen an. Vitéz: „Ein Miteinander bringt ein MEHR für alle. Zeit ist knapp. Sich zu engagieren und vorne dabei zu sein muss nicht heißen, weniger Zeit für sich, Partner, Kinder oder Job zu haben. Engagiertes Netzwerken kann ein MEHR an Zeit – privat und beruflich – bringen. Und es heißt: vorwärts kommen, etwas bewegen. Dabei geht es nicht nur um das so genannte Hinaufklettern auf der Karriereleiter.“

Netzwerke sind stark und wenn wir Frauen Geschlechtergerechtigkeit erreichen wollen, so müssen wir uns verbünden, denn rein männliche Seilschaften und Strukturen beweisen seit Jahrhunderten wie erfolgreich Machtaufteilung gelingen kann: Noch immer sind nur etwa drei Prozent aller Spitzenpositionen in Österreich mit Frauen besetzt. Und genau deswegen werden engagierte Frauengemeinschaften von Männern meist ungern gesehen, warnte doch schon Cato: „Sobald die Frauen anfangen, euch gleich zu sein, werden sie euch überlegen werden.“